Die Wendesser Kirche St. Georg ist typisch für unsere Gegend.

Aus einem gedrungenen, schlichten Kirchenschiff erhebt sich im Westen ein massiver und wehrhafter Turm, der nur in seinem obersten Stockwerk als Schallöffnung größere Fenster aufweist. Ansonsten ist sein Mauerwerk auf fast allen Seiten bis auf kleine Fensterschlitze geschlossen. Die heutige Türöffnung im Westen wurde erst später eingesetzt.

Wahrscheinlich ist es ein alter Wehrturm, der später der Kirche zur Verfügung gestellt wurde.

Einen Hinweis darauf gibt die vermauerte rundbogige Öffnung auf der Westseite, die noch heute zu sehn ist und die einmal als Tür gedient haben mag und dann über eine Leiter zu erreichen war.

An den Turm schließt sich im Osten das saalartige Kirchenschiff mit Balkendecke an, das sich zu einem rechteckigen und um Stufen erhöhten Chorraum erweitert.

Im Jahr 1170 wird Wendessen zum ersten Mal urkundlich erwähnt, das genaue Baudatum der Kirche ist nicht bekannt.

Der erste namentlich bekannte Geistliche war ein Leutepriester oder Pleban Hermann, er wurde im Jahr 1292 für die Wendesser Kirche benannt. Ein Leutepriester war in der Regel Weltgeistlicher, unterstand also im Gegensatz zu Geistlichen, die einem Kloster oder einer Herrschaft dienten und von diesen abhängig waren, dem Bischof.

Wie alle Wehrkirchen diente auch die Wendesser Kirche mit ihren dicken Mauern auch als Zuflucht in Kriegszeiten.

Im Jahr 1580 wurde die Kirche erneuert, ebenso 1651, um die Schäden des 30jährigen Krieges zu beheben. Zwischen 1726 und 1732 erfährt die Kirche eine umfangreiche Erneuerung unter Pastor Rüdemann. 1732 werden die großen Fenster in die Nord-und Südmauern des Kirchenschiffs gesetzt, um den Innenraum heller zu machen.

Damals befand sich an der Nordseite der Kirche ein Leichenhaus, im Inneren ein fürstlicher Stuhl und Priechen.

Am 14. Januar 1944 wurde die Kirche bei einem Bombenangriff, der Wendessen stark traf, bis auf die Außenmauern zerstört. Die gesamte Inneneinrichtung war vernichtet; das Schiff der Kirche ausgebrannt. Dabei wurde auch ein spätgotisches Relief aus dem 15. Jahrhundert, das Maria mit dem Jesuskind zeigte, zerstört.

In den Jahren 1947 bis 1949 wurde unter Pastor Strothmann die Kirche mit Hilfe von Studenten der Braunschweiger Technischen Hochschule und mit Unterstützung der Dorfbevölkerung wieder aufgebaut. Das Äußere der Kirche erhielt fast überall seine alte Form zurück.

Der Turm bekam neue Glocken, Kirche und Turm neue Dächer.

Im Innern erhielt die Kirche mit Orgelempore im Kirchenschiff und im Chorraum ein neues Aussehen mit viel Holz, die stehende hölzerne Kanzel rechts, den hölzernen Taufstein, eine Arbeit von Otto Flath, rechts und den Altar mit einer Holzplatte im Zentrum.

Im Osten hat die Kirche 1984 durch die Einsetzung eines bunten Rundglasfensters einen neuen Akzent erhalten. Es gibt den Inhalt des ersten Kapitels des Johannisevangeliums wieder.

„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit..." (Johannes 1, 14a)

Durch das Engagement des Kirchbauvereins St.Georg und die Mithilfe der Landeskirche konnte die Kirchengemeinde Ahlum-Atzum-Wendessen seit 2004 die Renovierung der Kirche weiter voranbringen.

In einem ersten Bauabschnitt wurde der Turmbereich saniert und eine Küche und Toilette wurden eingebaut.

Im zweiten Schritt wurde der Innenraum mit Vorfenstern versehen, die Wände neu geputzt und gestrichen, die Bänke und der Holzboden renoviert, eine neue Beleuchtungsanlage wurde installiert und die alten Ölöfen durch eine moderne Unterbankheizung ersetzt.

2008 wurde die Orgel repariert und saniert.

Auf dem weiträumigen Kirchengelände, das von einer alten Feldsteinmauer umgeben ist, steht ein Außenaltar.

Die St. Georg Kirche ist wegen ihrer ausgezeichneten Akustik Veranstaltungsort vieler Konzerte die der Kirchbauverein St. Georg ausrichtet.

Jens Möhle