Die St. Stephani-Kirche in Atzum stammt in ihrer jetzigen baulichen Beschaffenheit vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Vorher muß sei anders ausgesehen haben, denn urkundlich erwähnt wurde Atzum erstmals 1051 als Urpfarrei.
An der Westecke des 8, 40 m breiten und 7,10 m tiefen Turms findet man die Inschrift "anno dni. 1474 inchoatu est", übersetzt heißt das „wurde begonnen" und oben an der Südostecke des Tunis die Inschrift "anno dni. MCCCCLXII sanctus steffanus".
Die Glocke wurde 1658 in Wolfenbüttel gegossen und trägt die Nameen des damaligen Pastors, der Kirchenvorsteher und den Text des Psalms 95,6, „ Kommt, laßt uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat."
Im dreißigjährigen Krieg wurde sie 1627 erheblich beschädigt und von 1639 bis 1652 wieder aufgebaut. Damals wurden der Altar, der Predigtstuhl und die Fenster mit Rahmen und Verglasung erneuert.
Zwei Kelche aus vergoldetem Silber aus den Jahren 1652 und 1757, zwei Leuchter von 1650 und das Messingtaufbecken von 1660 befinden sich noch im Besitz der Gemeinde und werden in den Gottesdiensten benutzt.
1843 wurde eine Orgel eingebaut, 1916 wurden die Orgelpfeifen aus Zinn für die Armee im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen
Bei der Renovierung des Kircheninnenraums 1957 bekam der achteckige Taufstein von 1680 einen neuen Sockel.
In „Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Braunschweig" Band III' heißt es, daß die
Stephanuskirche vermutlich zu den 35 Pfarrkirchen gehörte, die Bischof Hildegrim von
Chalons-Halberstadt Anfang des 9. Jahrhunderts gründete.
Ihr großer Sprengel reichte rechts der Oker von Neindorf, Sottmar, Wittenar bis hinauf zur Schunter nach Wenden.
Erst durch die Gründung der Pfarrkirche St. Magni in Brunswick 1031 wurde der Sprengel geteilt. Archidiakon war in der Regel der Großprobst der Halberstädter Kirche, verwaltet aber wurde die Pfarre durch einen Presbyter.
Das Patronat stand zur Zeit der Kirchenvisitation 1524 und noch um 1580 dem Archidiakonus Magdeburg zu, ist dann aber herzoglich gewesen.
Seit der Reformation war die Pfarre erst mit dem Gotteslager in Wolfenbüttel, seit 1634 beziehungsweise 1668 mit Salzdahlum vereinigt.
Sie wurde erst wieder 1859 selbständig und Salzdahlum übernahm lediglich die
Vakanzvertretungen. 1979 wurde die Kirchengemeinde Ahlum-Atzum-Wendessen gegründet.
1999 erhielt der Kirchturm ein neues Dach.
Durch den seitlichen Turmeingang betritt man die Kirche.
Das Kirchenschiff erscheint heute in freundlichen hellen Farben in grün und weiß und wurde 1982 / 1983 renoviert. Der Altarraum an der Ostseite wird durch ein neues, 2003 von einem Atzumer Bürger gespendetes Buntglasfenster der Glasmaler und Kunstglaser Hilby aus Wuppertal gekrönt. Das Bild nimmt Bezug auf den Namenspatron der Kirche, den Märtyrer Stephanus, von dem in Apostelgeschichte 7, 56 der Satz berichtet wird, daß er bei seiner Steinigung die Herrlichkeit Gottes sieht: „Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen."
Jens Möhle


