
Die heutige Ahlumer Kirche wurde in den Jahren 1855-60 gebaut. Wie ihre Vorgängerin ausgesehen hat, zeigt nebenstehende Zeichnung von 1765.
Der quadratische Turm ohne Türen ist nach einer eingetragenen Jahreszahl 1345 aufgestockt worden.
Auf die alte Glockenstube mit einem Paar Rundbogenfenstern wurde eine neue mit zwei paarigen Rundbogenfenstern eingesetzt und mit einem steilen Firstwalmdach abgeschlossen.
Das langgestreckte Rechteck des Kirchenschiffs war nicht breiter als der Turm.
Im Inneren war der Altarbereich um einige Stufen erhöht.
Vor dem Eingang im Norden lag das Leichenhaus und vor dem Chor die Sakristei.
Die Kirche trug eine Schiefereindeckung, die um 1765 erneuert worden war.
Sobald man das Schiff durch den einzigen Eingang betreten hatte, stand geradeaus in der Mitte der Taufstein, während gleich rechts die Treppe zur Empore hinaufführte, die sich an der Nordseite bis zum Chor erstreckte.
Die Bestuhlung im Kirchenschiff war durch zwei Gänge in drei Blöcke gegliedert, die alle den Frauen zur Verfügung standen. Die Männer saßen auf der Empore oder in der westseitigen, in den Turmraum hineinragenden Bestuhlung. Zwischen den Stufen zum Altarraum stand der "Kleine Altar" und neben ihm an der Südwand die Kanzel.
Der "Große Altar" stand frei in der Mitte des Chors, um beim Abendmahl um ihn herum zu gehen Links und rechts vor dem Altar standen Abendmahlskniebänke. Zwischen den Altären saßen die Schulknaben auf Bänken, neben der Sakristeitür stand der Armenkasten.
Ab 1836 beschäftigte man sich mit Neubauplänen. Der spätere Kreisbaumeister Kruse fertigte zwei Entwürfe: Einen im "byzantinischen, romanischen" Stil und einen im "römischen", klassizistischen Stil.
Etwa zehn Jahre später lieferte der Kreisbaumeister Müller einen Plan zum Umbau durch Verlängerung und Verbreiterung des bestehenden Gebäudes mit einem Kostenaufwand von 8200 Thalern.
Die Gemeinde war einverstanden, wenn die Kosten nicht zu ihren Lasten gingen, da sie vor 26 Jahren durch ein Feuer größtenteils ihre Wohnungen verloren hatte.
Die herzogliche Baudirektion wollte keinen Umbau. Sie bevorzugte den früheren Plan im byzantinischen Stil mit den Verbesserungsvorschlägen zur Fassadenvereinfachung des
Hofbauraths Ottmer.
Dem stimmte das Konsistorium in Wolfenbüttel zu, wünschte aber eine Verlängerung des Baus um eine Fensterachse und statt des abgestumpften Turms eine Turmspitze.
Den endgültigen Bauplan unter Berücksichtigung der Ottmerschen Vereinfachungen und einer spitzen Turmhaube erstellte der Bauconducteur Tappe. Der Kirchturm mißt 37,70m bis zur Sternoberhöhe
Den Kostenvoranschlag machte Kreisbaumeister Müller, dem 1854 dann auch die Bauleitung übertragen wurde.
Herbst 1855 wurde die alte Kirche abgebrochen, im April 1858 war die neue Kirche im Rohbau fast vollendet. Während dieser Zeit wurde eine neue Orgel des Orgelbauers Engelhardt aus Herzberg mit 2 Manualen, 1 Pedal und 23 Registern eingebaut, die 2004 renoviert wurde.
Am 15. Juli 1860 wurde die neue Kirche eingeweiht,.
Heute wird der Altarraum beherrscht von dem bunten Fenster, das den auferstandenen Christus zeigt und 2000 vom Männerkreis freigelegt und von den Glasmalern und Kunstglasern Hilby aus Wuppertal restauriert wurde.
Unter dem Fenster finden sich Holzplastiken des bedeutenden Holzbildhauers Otto Flath, sie zeigen Geschichten aus dem Leben und der Auferstehung Christi, die Heilung des Blinden, Jesu Taufe, Jesu Weg zum Kreuz, Jesu Grablegung, die Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen und das Gleichnis vom Verlorenen Sohn.
Rednerpult, Kreuz und die Leuchter stammen ebenfalls von Otto Flath.
Die Turmuhr ist eine Weule-Uhr von 1913 mit 4 handbetriebenen Aufzügen.
Jens Möhle

